Ich werde nie mehr so frei sein

Abitur fast in der Tasche. Gerade bin ich dabei mich für die mündlichen Prüfungen vorzubereiten. Alles keine große Sache, schaffbar. Viel mehr Gedanken mache ich mir über die nahe Zukunft.

WAS VERDAMMT NOCHMAL SOLL ICH NACH DEM ABI MACHEN?

Ich habe nie zu den planlosen Menschen gehört. In Schulzeiten war ich Teil der Organisierten, die Sorte Mensch die abends angerufen wird, weil ich immer sicher wusste, was wir aufhatten. Und heute, jetzt in genau diesem Moment? Bin ich planlos. Perspektivenlos. Unorganisiert. Dabei habe ich Pläne und vor allem Träume. Die möchte ich jedoch erst ausprechen, wenn ich sie dann auch mal angegangen bin. Momentan klingt das immer so schwachsinnig, wenn mich jemand fragt (Am meisten fragen mich das übrigens die Erwachsenen, also die richtig Erwachsenen), was ich denn machen will.

Dann sage ich Journalismus. Entgeisterte Blicke.

Dann sage ich Praktikum in einer Redaktion. „Wovon willst du dann leben?“

Dann sage ich erstmal Auszeit „Also rumgammeln?“

Dann sage ich Auslandsaufenthalt „Und wer soll das finanzieren?“

Es versteht sich vielleicht, warum ich momentan lieber schweige und im stillen Kämmerlein meine Pläne schmiede. Denn: ich habe Träume. Träume, an deren Umsetzung ich arbeite. Jeden verdammten Tag.

Aber ich habe einen Vorteil, eine Überlegenheit, ein Ass im Ärmel. Ich. Bin. Frei.

Und dann merke ich, dass Freiheit ganz anders ist. Anders, als ich es mir mit 15 vorstellte als ich in meiner Ich-werde-Sängerin-und-gehe-nach-dem-Abi-nach-Nashville-Phase war. Freiheit ist Verantwortung. In allererster Linie für einen selbst. Du musst es alleine hinkrigen, dich gut umsorgen, versorgen. Dich selbst behüten.

Aber Freiheit heißt eben auch Traumverwirklichung. Freiheit heißt, dass ich das tun sollte, was ich schon immer machen wollte. Oder nicht?

Ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch und bin sehr dankbar, dass meine Eltern mir so viele Freiheiten(besonders in finanzieller Hinsicht) ermöglichen. Ich möchte selbst entscheiden, was ich heute unternehme, wo ich wann hinfahre oder eben auch nicht.

Wenn ich also nachts mit dem Auto nach Hause fahre, dann fühle ich mich frei. Frei, weil ich das selbst entschieden habe. Aber ich trage auch Verantwortung. Die hatte ich mit 15 nicht.

Als ich mit meiner besten Freundin mit dem Auto durch Hamburg cruse, sagt sie zu mir sie fühle sich so frei. Ich denke, ja , frei bin ich, aber ich trage auch eine große Verantwortung. Ich könnte uns beide tot fahren.

Die 15 Jährige Merle war angslos, eine Kämpferin und vor allem wusste sie was sie wollte.

Ich werde es machen.

Ich werde diesen Flug buchen, all meine lieben Menschen noch einmal um mich versammeln, sie mich verabschieden lassen. Diesmal bin ich diejenige die geht. Das will ich schon seit drei Jahren.

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Ich werde dieses Flugzeug betreten und weit weg fliegen. Ich werde es machen und meistern.

Die 18 jährige Merle war kaputt, verletzt, überarbeitet und ausgelaugt. Mir ist viel Scheiße widerfahren, aber jetzt geht es mir besser.

Ich werde nie mehr so frei sein. Wer weiß, was in zwei Jahren ist? Und dann habe ich es nicht gemacht. Dann habe ich mir diesen Traum vom Ausland nicht erfüllt, dann werde ich ihn mir vielleicht nie mehr erfüllen können. Dann habe ich nicht das Geld. ICH WERDE NIE MEHR SO FREI SEIN.

Ich bin in keiner Beziehung, ich bin nicht beruflich und auch nicht örtlich gebunden. Was hält mich dann noch in Hamburg. Die Vergangenheit? Erinnerungen?

Meine engsten Freunde werde ich von überall auf der Welt erreichen können. Das reicht. Für mich. Die Lehrer, die nervigen gut aussehenden Klassenkameradinnen, die eh alles besser können. Die will ich nicht mehr sehen. Auch nicht auf der Straße.

Do it now, sometimes later becomes never.

Wenn nicht jetzt, wann dann. Hier in Hamburg passiert nichts mehr. Alles steht still, viel zu still. Immer noch. Ich möchte nicht mehr still stehen. Ich möchte wieder Bewegung, wieder Liebe. Wieder wissen, wie es sich anfühlt, nicht verliebt zu sein. Mal nur an mich zu denken. Ohne Gedanken an die Vergangenheit, ohne Gedanken an ihn.

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7 Kommentare zu „Ich werde nie mehr so frei sein

  1. Sehr schön geschrieben 🙂 Habe letztes Jahr mein Abschluss gemacht und stand/stehe vor der selben Frage und habe ähnliche Erfahrungen mit den Reaktionen von außen gemacht. Schön, dass du deinen Traum angehen willst 🙂

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    1. Danke, dass ist sehr lieb von dir. Ja, man muss lernen mit den Reaktionen der Anderen umzugehen und einfach sein eigenes Ding durchzuziehen. Das ist nicht immer leicht aber ich denke am Ende zahlt es sich aus, besonders wenn man an seine Träume glaubt und sie angeht.Ich werde es versuchen, mehr als scheitern kann ich ja nicht

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  2. Liebe Merle, sehr sehr schöner Text! Und vor allem auch emotional. Genau das Gefühl, nach dem du dich in den letzten Sätzen sehnst („Wieder wissen, wie es sich anfühlt, nicht verliebt zu sein…“), nach dem sehne ich mich auch. Ich bin auch aus demselben Grund wie du still geworden, wenn es um Fragen nach dem Abitur ging. Ich weiß, was ich machen möchte und das werde ich machen! Man sollte viel mehr auf sich selbst schauen, auf seine eigenen Träume und Ziele. Ich wünsche dir ganz viel Spaß beim Traumverwirklichen!!!
    Liebe Grüße,
    Tina von http://www.freckledrebell.de

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    1. Liebe Tina, vielen Dank für deinen lieben Kommentar. Ja die Sache mit dem Verliebtsein…ich wünschte es wäre einfach. Wenn wir beide still sind, dann lass uns still bleiben. Gemeinsam ist man nicht mehr so alleine 🙂 Ich denke wir werden unseren Weg gehen und unsere Träume verwirklichen. Wir rocken das und ich wünsche dir auch ganz viel Erfolg dabei deinen Traum Realität werden zu lassen.
      Liebe Grüße, Merle

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