Es ist vorbei. Für immer.

Acht Jahre meines Lebens habe ich in diesem Gebäude verbracht. Ich habe weinend auf dem Mädchenklo gekauert und selbst getröstet, bin lachend über die Flure gerannt, habe rebellisch die Türen mit dem Fuß aufgestoßen. Gute Noten und schlechte Noten, Erfolge und Misserfolge haben mich acht Jahre lang begleitet. Acht. Jahre. Das ist eine verdammt lange Zeit.

P1070644Bild: ©Merle S.

In diesem Gebäude scheint so viel passiert zu sein, dass ich niemals aufhören könnte, das hier aufzuzählen. Freundschaften sind zerbrochen und neue entstanden, einige sehr liebe Menschen darf ich aus der Schule mit in mein richtiges Leben nehmen. Das freut mich sehr. Ich habe meine Leidenschaft zur Musik entdeckt. Ja, das geschah genau in diesem Gebäude und ich habe lange Zeit als Klassensprecherin die Kommunikation auch außerhalb meiner Klasse genossen. Dann kam das Schreiben, was ich anfangs schüchtern zu verstecken versuchte und heute im Deutsch Abi stolz präsentiere. Ich stehe zu meiner Meinung, meinen Gedanken und Provokationen. Ja, heute stehe ich zu mir.

Ich hatte schöne Phasen. Der Frankreichaustausch, die Musik- und Klassenreisen, letztere, die jedes Mal in einem riesen gr0ßen Drama endeten. Aber ist das nicht immer so?

Ich hatte unschönere Phasen. Phasen, in denen ich im Unterricht saß und am liebsten weinend rausrennen wollte, mich fragte was ich hier noch wollte, ihn ansah und mich fragte ob das sein Ernst sei. Es war sein Ernst.

Erste Schwärmereien, die sich bei mir über viele Jahre hinzogen, gescheiterte Versuche mit freundschaftlichen Beziehungen zu Jungs und ganz am Ende dann die richtig große erste Liebe, so richtig schmerzhaft aber wunderschön. Eine Person, die immer in meinem Herzen weiterleben wird. Und hey, die Freundschaften funktionieren inzwischen auch ganz gut.

All der Zickenkrieg. All das Vergleichen und Anpassen. All das ist vorbei.

Ja, diese acht Jahre, die haben mir einiges geboten. Die haben mich geprägt, verändert, beeinflusst, zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.

Hätte irgendjemand meinem Fünfte-Klasse-Ich erzählt, dass sie die Schule mit dem Wunsch Journalistin zu werden verlassen würde, dann wäre die schüchterne blonde Merle mit den rosa Bäckchen stolz gewesen. Aus mir ist eine junge, reife und selbstbewusste Frau geworden.

Als mir also heute die stellvertretende Schulleiterin die Hand reichte und mir lächelnd mitteilt: „Herzlichen Glückwunsch zum bestanden Abitur“, hörte sich das für mich eher nach einem „Herzlichen Glückwunsch, zur neu erworbenen Freiheit“ an.

Als ich die Schule verließ, so wie ich es die letzten acht Jahre getan hatte, verspürte ich an diesem schwülen und tropenregenartigen Tag das Bedürfnis ganz laut im Foyer zu rufen: „Tschüss, scheiß Schule. Ich werde dich nicht vermissen!“

P1070662Bild: ©Merle S.

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